[>>]

Politik und Weltgeschehen

Mittwoch, 23. September 2009

Ein Yeah für den fairen Wahlkampf.

Flashmobs findet man selten in den seriösen Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Fernsehkanäle. Doch die neueste Version dieses Phänomens hat es tatsächlich dorthin geschafft. Plötzlich werden Wahlkampfauftritte der Kanzlerin Angela Merkel von wiederholenden "Yeah!'s" begleitet, nach beinahe jedem ihrer Sätze. Auffällig ist die hohe Beteiligung von Mitgliedern der Piratenpartei - in der ich selbst auch bin. Nun gab es vor wenigen Wochen den Vorfall, dass unionsnahe Organisationen im Wahlkampf gezielt Piratenplakate überklebten - und die Wellen schlugen hoch. Man sprach von gezielten Angriffen gegen die Piraten, was ja durchaus auch gerechtfertigt war. Allerdings stellen sich Teile jener Bewegung nun auf Veranstaltungen der CDU und stören diese ihrerseits massiv. Ist das denn fairer Wahlkampf? Spontane Äußerung des Unmuts oder der Zustimmung sind bei Kundgebungen ja durchaus Usus - provokante Aktionen wie diese jedoch nicht. Ich sehe diese Yeah-Flashmob-Aktion als eher kontraproduktiv für den bisher doch sehr einfallsreichen Wahlkampf der Piraten. Erstens fallen wir dadurch potentiellen Wählern als notorische Störer ins Auge und zweitens wirken wir keineswegs mehr glaubwürdig, wenn wir einen gleichberechtigten Wahlkampf fordern - in dem man auch uns zuhört. Und Banner bzw. Fahnen schwenken erzeugt auch Aufmerksamkeit... mit weniger Krach.

Sonntag, 30. August 2009

Hanns-Martin-Schleyer-Halle?

Große Aufschreie gehen durch die ganze Bundesrepublik, wenn sich - oft unbeabsichtigt - irgendwelche Memorabilien aus dem Dritten Reich in unsere heutige Zeit schleichen (s. a. "Jedem das Seine?"). Doch bereits seit 1983 steht mitten in der Landeshauptstadt Stuttgart ein Bauwerk, das einem ehemaligen NS-Funktionär huldigt: die Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Klar, Herr Schleyer wurde im sogenannten Deutschen Herbst von der RAF entführt und ermordet - dennoch war er während des Dritten Reichs ein entschiedener Verfechter nationalsozialistischer Ideologien. So warf er im Jahr 1935 seiner Studentenverbindung "mangelndes nationalsozialistisches Verhalten" vor, als diese sich weigerte, Juden auszuschließen. Bereits 1931 trat er in die Hitlerjugend ein, zwei Jahre später wurde er Mitglied der SS. Später engagierte er sich auch in der Partei selbst, sowie in der NS-Studentenbewegung. Von einem Mitläufer kann man hier sicher nicht sprechen, auch wenn er nach dem Krieg (nach Protest seinerseits) als solcher eingestuft wurde. Immerhin fiels in seinen Zuständigkeitsbereich auch die "Arisierung" der tschechischen Wirtschaft und die Beschaffung von Zwangsarbeitern.
Und später schafft es ein Mann mit solcher Vergangenheit, die er nie wirklich bereute, bis zum Arbeitgeberpräsident in einem demokratischen Deutschland. Ich heiße seine Ermordung durch linksextreme Terroristen sicher nicht für gut... aber genausowenig seine Hochstilisierung zum Märtyrer der BRD im Deutschen Herbst. Mit einer Selbstverständlichkeit wurde Anfang der 80er Jahre die neue Veranstaltungshalle in Stuttgart - Bad Cannstatt nach ihm benannt - ohne seine dunkle Seite der Vergangenheit zu berücksichtigen - und niemand schrie auf. Bis heute nicht.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Porsche - das tragische Ende einer Erfolgsgeschichte

Wendelin Wiedeking räumt mit sofortiger Wirkung seinen Schreibtisch bei Porsche, der Wüstenstaat Katar steigt mit ein - und mittelfristig gesehen wird Porsche als zehnte Marke in den VW Konzern eingegliedert (Quelle: Tagesschau). Im internen Machtkampf hat sich nun also Ferdinand Piëch voll durchgesetzt - und ist damit gleich seinen härtesten Konkurrenten losgeworden. Doch was heisst das nun für Porsche an sich - und was heisst das für Stuttgart? Wendelin Wiedeking war stolz auf die Produktion, die größtenteils in Deutschland stattfand, er war als Vorstandsvorsitzender gut angesehen, genoß einen hervorragenden Ruf - auch bei den Mitarbeitern. Seine Unternehmensführung ließ Porsche wachsen, er führte die Firma Anfang der 90er aus dem Dilemma wieder in florierende Absatzzahlen. Nicht umsonst wurden ihm zahlreiche Managerpreise verliehen. Und nun muss er als Bauernopfer für etwas herhalten, für das er nur bedingt etwas kann: Die Pläne zur Übernahme von VW trugen viele andere mit - und die Absatzkrise auf dem Automarkt war in der Größenordnung nicht vorherzusehen.

Wenn Porsche in den VW Konzern wandert, hat das Konsequenzen: Die Verwaltung wird wohl nach Wolfsburg verlegt - und langfristig gesehen ein Großteil der Produktion ins Ausland. Damit verlieren in Stuttgart Hunderte Menschen ihren Arbeitsplatz und die Stadt eine Menge an Steuereinnahmen. Eine Schlappe für Baden-Württembergs Ministerpräsident Günter Oettinger und natürlich ein Riesen Imagegewinn für seinen niedersächsischen Amtskollegen Carsten Wulff, der sich schon früh auf die Seite Piëchs schlug.

Und eine Frage bleibt auch noch: Was geschieht mit dem Image von Porsche innerhalb des VW Konzerns? Porsche verbindet man nicht nur mit Stuttgart, sondern auch mit Qualität, mit kompromissloser Sportlichkeit. Dies sind Eigenschaften, die einem bei VW nicht sofort in den Sinn kommen. Wollen Käufer einen Porsche, produced by VW? Die Zeit wird es zeigen.

Ich für meinen Teil werde nachher auf dem Heimweg, der mich am Porscheplatz vorbei führt, Wendelin Wiedeking salutieren - der vermutlich gerade seine Kartons packt. Er hat es verdient.

Sonntag, 21. Juni 2009

Piratenpartei 2009

Plakat Piratenpartei Viel mediales Aufsehen hat die Piratenpartei in der letzten Zeit bereits erregt. Die Kampagne gegen den Überwachungsstaat und gegen die neue Gesundheitskarte. Die Frage, ob Bürger, die Musik für den Privatgebrauch kopieren, wirklich wie Schwerverbrecher behandelt werden müssen. Die Diskussion um "Zensursula" von der Leyen und ihre Internetsperren. All diese Themen rund um moderne Medien und Datenschutz und nicht zuletzt der politische Hardliner Wolfgang Schäuble haben den Piraten buchstäblich Wind in die Segel gepustet. In Schweden bereits etabliert, konnten sie hierzulande bei der Europawahl aus dem Stand immerhin knapp 1 Prozent der Stimmen erlangen. Die Mitgliederzahl steigt stetig; zuletzt machten Politiker Furore, die aus der SPD aus- und in die Piratenpartei eintraten - unter ihnen auch der Medienbeauftragte der SPD-Fraktion Jörg Tauss.

Dieser steht allerdings wegen des Verdachts des Besitzes kinderpornographischen Materials mitten in einem Verfahren. Es zeugt von schlechtem Zeitgefühl von seiten Tauss, nun in die Piratenpartei eintreten zu wollen, aber von klarer Konsequenz dieser, ihn aufzunehmen. Denn obwohl viele Kritiker befürchten, dass Tauss und seine mögliche Verurteilung ein schlechtes Licht auf die Piratenpartei werfen - gerade jetzt, während man noch Unterstützerstimmen sammelt - beruft sich die Partei ganz souverän auf die Unschuldsvermutung.

Aber Tauss hin oder her, die Ziele der Piratenpartei sind für viele Bürger heute so aktuell wie noch nie, mit einem professionell und unpolemisch geführten Wahlkampf könnte sie durchaus für eine Überraschung sorgen. Auch wenn die Anliegen größtenteils noch sehr speziell sind und zu vielen politischen Fragen noch gar keine Stellung bezogen wurde. Abschreckend könnte nur für viele potentielle Wähler der Name sein - suggeriert er doch für Uninformierte eher eine radikale Splitterpartei. Hier gilt es, gezielt zu informieren.

Ich für meinen Teil werde die Piratenpartei im Auge behalten - und im Rahmen meiner Möglichkeiten auch unterstützen - es wird Zeit, der Politik wieder vor Augen zu führen, dass sich mündige Bürger nicht alles diktieren lassen.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Die Amerikaner und Guantánamo

Der US-amerikanische Senat verweigerte Präsident Barack Obama die Zusage der finanziellen Mittel zur Schließung von Guantánamo (Quelle: Tagesschau). Die Aufgabe des umstrittenen Gefangenenlagers war einer der zentralen Punkte in Obama's Wahlkampf - entsprechend entschlossen hatte er auch direkt nach seiner Wahl mit der Vorbereitung dessen begonnen. Jetzt starten Senatoren beider Parteien - also auch Obama's Demokraten - eine Blockadepolitik, die das konsequente Ausräumen der eigenen Fehler behindert. Denn von Anfang an war klar, dass Guantánamo und die dort stattfindenden Prozesse der Rechtsstaatlichkeit keinerlei Genüge taten. Dass unter der Bush-Regierung dennoch immer weiter neue Gefangene, sogenannte "Terrorverdächtige" eingeliefert wurden, störte die damalige Administration wenig. In der Folge müssen die USA ihrerseits bereit sein, für all diese Inhaftierten auf ihrem Territorium ein ordentliches Gerichtsverfahren zu garantieren - mitsamt der Aussicht, als unschuldig erwiesene Verdächtigte, frei zu lassen. Barack Obama hat dies klar erkannt. Guantánamo weiterlaufen zu lassen bedeutet einen tiefen Vertrauensverlust in den neugewählten US-Senat. Genauso abwegig ist es zu versuchen, Häftlinge in andere Staaten abzuschieben. So schwierig es auch sein mag, die USA müssen die Fehler, die George W. Bush und seine Konsorten so zahlreich begangen haben, nun ausmerzen um ihre Glaubwürdigkeit als demokratischer Staat, der die Menschenrechte achtet, wiederherzustellen. Dies ist kein leichtes Unterfangen - das ist allen klar. Und nur mit der Auflösung von Guantánamo ist es da auch nicht getan. Aber Präsident Obama befindet sich klar auf dem richtigen Weg - hoffentlich erkennt dies der Senat auch noch.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Jedem das Seine?

Folgende Meldung wurde eben auf tagesschau.de veröffentlicht:

Die Unternehmen Tchibo und Esso haben eine gemeinsame Werbeaktion für Kaffeesorten an bundesweit rund 700 Tankstellen unter dem Slogan "Jedem den Seinen" gestoppt. Die Redewendung war im Dritten Reich von den Nationalsozialisten missbraucht worden. Der Schriftzug "Jedem das Seine" stand über dem Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar.

Tchibo-Sprecherin Angelika Scholz sagte der "Frankfurter Rundschau", das Unternehmen habe "nie die Absicht gehabt, Gefühle zu verletzen". Der Slogan sei "unglücklich" gewählt worden. Die Plakate sollten "schnellstmöglich" wieder abgehängt werden. Esso-Sprecher Olaf Martin sagte, die beauftragte Werbeagentur habe die historische Bedeutung des Satzes offenbar nicht erkannt.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, sagte der Zeitung, das Plakat sei entweder eine "nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit" oder ein Beispiel "totaler Geschichtsunkenntnis". Dass dies immer wieder geschehe, liege zu einem "erheblichen Anteil" am unzureichenden Geschichtsunterricht an Schulen.

Tchibo und Esso sind nicht die ersten, die aus historischer Unkenntnis den Satz "Jedem das Seine" für PR-Zwecke verwenden, heißt es im dem Bericht. 1998 bewarb Nokia austauschbare Handy-Gehäuse. Die Plakate wurden mit dem Shakespeare-Titel "Was ihr wollt" überklebt, nachdem unter anderem das American Jewish Commitee gegen den ursprünglichen Werbeslogan protestiert hatte. Kurze Zeit später konnte der Handelskonzern Rewe ein Prospekt nicht mehr stoppen, in dem es hieß: "Grillen: Jedem das Seine". Rewe entschuldigte sich öffentlich. 1999 stoppte Burger King in Erfurt nach Protesten eine Handzettelaktion mit dem Slogan. 2001 waren Kunden entsetzt über eine Werbekampagne für Kontoführungsmodelle der Münchner Merkur-Bank.

Den Spruch "Jedem das Seine" ("suum cuique") prägte ursprünglich der Philosoph Cato der Ältere vor mehr als 2000 Jahren und wollte damit eine positive Nachricht verbreiten, nach dem Motto: Jeder Mensch soll sein Leben so gestalten können, wie er es möchte


Langsam geht's los, oder? Trotz - würde ich mal sagen - entsprechend hoher Schulbildung (u.a. 1 Jahr Thema Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht des Gymnasiums) war mir dieser Satz nicht als "vorbelastet" bekannt. Im Gegenteil - ich kannte ihn als selbstverständlichen Teil der tagtäglichen Kommunikation der Gesellschaft. Und demnach weiß der Großteil Deutschlands nichts von der nationalsozialistischen Bedeutung dieser Redewendung. Und das ist auch gut so! Man könnte nun anfangen, jede einzelne Äußerung oder Beschriftung damaliger Machthaber des Dritten Reiches einzeln auseinanderzuklamüsern und deren Verwendung verbieten. Dann aber würde von der deutschen Sprache nicht mehr viel übrig bleiben. Mit der akribischen Suche nach jedem einzelnen Fauxpas, der regelmäßig zum Staatseklat hochstilisiert wird, wird niemandem geholfen. Es ist selbstverständlich, dass entsprechend diffamierende Phrasen dieser Zeit, genauso wie jene, die eindeutig auf das Nazi-Regime hinweise, nicht verwendet werden sollen. Doch dieses Zitat wurde nachweislich vor über 2000 Jahren geprägt und von den Nationalsozialisten nur gedankenlos und zu Unrecht mißbraucht. Solche Diskussionen sorgen eher dafür, dass sich die Rechten wieder einmal freuen, dass ihre glorifizierte Zeit der menschenverachtenden Verbrechen wieder einmal ihre Spuren bis in unsere Zeit zieht. Und das hätte Cato der Ältere sicher nicht gewollt.

Samstag, 22. November 2008

Obama & Clinton

Eben berichtet Tagesschau Online mit Berufung auf die New York Times, dass die neue Außenministerin der Vereinigten Staaten wohl Hillary Clinton heißen wird (Link). Was selbst viele Journalisten und selbsternannte Amerikakenner kategorisch ausschlossen, wird nun wahr - und ich vermutete es bereits seit Obama's Sieg bei den Vorwahlen der Demokraten.

Definitiv ist dies ein Teil der besten Strategie, die Barack Obama nun fahren kann... er muß allen US-Bürgern nun beweisen, dass er die besten Leute rekrutiert, um die Staaten wieder aus dem Dilemma zu holen - ganz gleich, ob Freund oder Rivale. Er ist auch der Präsident der Amerikaner, die ihn nicht wählten - und damit schlägt er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: er schafft sich auch Sympathien bei den Gegnern und hat ein gutes Kompetenzteam an der Hand. Die Vereinigten Staaten haben viel zu tun, um ihr Image, ihre Finanzen und ihre innen- und außenpolitische Situation zu verbessern.

Solch eine Politik wünscht man sich doch auch hierzulande... zusammenarbeiten, statt sich anzugiften. Anpacken, statt nutzlose Diskussionen zu führen. Dann würde auch in Deutschland einiges runder laufen!

Flecky's Blog

Hier bloggt Nicolai Fleckenstein aus Stuttgart - Marketingdienstleister, Shirtdesigner, Elektromusiker - interessiert am Leben und der Welt.

Macht euch ein Bild von mir

pic05

Frag Flecky!

Zuletzt gezwitschert

    Zuletzt gehört

    Lighthouse Family – Run
    http://www.last.fm/music/L ighthouse+Family
    Sa, 26. Dez, 17:44
    Loona – Pajaro Sin Cielo
    http://www.last.fm/music/L oona
    Sa, 26. Dez, 17:38
    Amy Macdonald – Let's Start A Band
    http://www.last.fm/music/A my+Macdonald
    Sa, 26. Dez, 17:34

    Zuletzt gelesen


    Stephen Clarke
    A Year In The Merde

    Neu im Plattenschrank


    Dash Berlin
    The New Daylight

    Galerie / Postershop:

    Wetter:

    Aktuelles Wetter in Stuttgart:


    Temperatur: 2 C
    UV Index: 0
    Luftfeuchte: 70 %
    Sichtweite: 10.0 km
    Luftdruck: 1008.1 mb
    Windstärke: 3 km/h

    Weather data provided by weather.com

    Status

    Online seit 434 Tagen
    Zuletzt aktualisiert: Fr, 25. Dez, 20:20

    User Status

    Du bist nicht angemeldet.