Erkenntnisse aus einem Gespräch mit Jennifer Düing.
Morgens, kurz nach 8 Uhr. Aus den Bäckereien lockt der Duft frischgebackener Brötchen. Man läuft vorbei und bekommt Hunger. Doch nicht immer entspricht die tatsächliche Qualität der Backwaren auch dem Geruch, sprich dem ersten Eindruck. Möglicherweise bietet die Bäckerei eine Straße weiter bessere Brötchen Ähnlich ist es bei der Begegnung mit einem potentiellen Partner. Man sieht jemand auf der Straße, der erste Eindruck macht Lust auf mehr. Was nun? Der Verlockung nachgeben oder vielleicht doch erstmal das Angebot genauer betrachten? Interessanterweise kann man die Wahl eines Partners und die eines belegten Brötchens durchaus miteinander vergleichen... das Äußere muss stimmen - das ist beim Einen wie beim Anderen das Erste, das ins Auge fällt. Wenn dies passt, lohnt es sich genauer hinzuschauen - auf die weiteren Qualitätsmerkmale. Passt der "Brötchenbelag", sprich die inneren Werte? Ensprechen sie dem persönlichen Geschmack? Hier kommen wir allerdings schon zum großen Hindernis - so selten man in einer Bäckerei "Probe essen" kann, so selten kann man sich auch jemand "zur Probe" mitnehmen. Also lieber testen und riskieren, schlechte Erfahrungen zu machen? Was kann man verlieren? Im einen Fall ein verdorbenes Frühstück, im anderen Fall ein verpatztes Date. Danach kann man immer noch das Angebot wechseln - an Erfahrung reicher. Eine Langzeitbeziehung muss man ja nicht sofort anfangen. Und auch wenn es nicht klappt... vielleicht gewinnt man ja auch einen guten Freund - der einen morgens mit frischen Brötchen überrascht.
Vielfältig: Brötchen genau wie Menschen.
Flecky - Sa, 9. Mai, 15:02
Ein freies Leben für alle durch Verantwortung jedes Einzelnen. Das bedeutet in erster Linie, dass wir uns selbst aufraffen müssen, dass es an uns selbst liegt. Die Vorstellung von Gott, die uns die Religionen aufzeigen, sagen, dass der „Herr“ unser Schicksal und unser Leben lenkt und bestimmt. Nach dieser Prädestinationstheorie ist unser Leben bereits im Voraus geplant. Hier zeigt sich jedoch aus meiner Sicht bereits das erste Parádoxon: Wie kann Gott am Ende unseres Lebens entscheiden, ob wir es seinen Maßstäben nach gut geführt haben, wenn er doch unser Leben lenkt? Entweder es liegt an uns, ob wir ein „frommes“ oder ein „lasterhaftes“ Dasein auf Erden führen oder Gott lenkt unser Schicksal.
Und sollen wir unser Schicksal tatsächlich von ihm lenken lassen? Da gefällt mir die erste Vorstellung noch am besten. Gott, wenn es ihn denn geben sollte, sollte uns die Möglichkeit geben, unsere Prüfung auf Erden nach unseren eigenem Gutdünken zu meistern und erst am Ende mit uns abzurechnen. Jedoch auch hier stellt sich die große Frage, woher er das Recht nimmt, diese Abrechnung zu führen. Nüchtern gesehen ist Gott ein Individuum – wer sagt also, dass seine Entscheidung über unser geführtes Leben rechtens und gerecht ist? Wer gibt ihm die Befugnis, über unser Leben nach dem Tod zu entscheiden, so wie er gerade Willens und Laune ist? Warum müssen wir uns nach seinen Ansichten richten, dürfen wir keine eigene Meinung haben, wie wir unser Leben gestalten? In einer Diskussion, die ich über dieses Thema mit meiner Freundin geführt habe, antwortete sie mir, wir hätten dieses Recht. Schließlich schreibe uns keiner vor, ob wir unsere Zeit mit oder ohne Gott verbringen. Und ich sage, doch! Während unserer Lebenszeit nicht, das stimmt. Aber wenn wir es nicht tun, werden wir danach dafür bestraft und landen im Fegefeuer, so die Panikmache der Religionen. Ist das eine Wahl? Wie wenn man einem Kind sagt: „Ich stelle dir frei, ob du von den Süßigkeiten naschst oder nicht. Du darfst es, aber wenn du es machst, bekommst du eine Ohrfeige.“
Spätestens hier schlägt die erste Stunde derer, die sich sagen: „Ich möchte über mich selbst bestimmen dürfen!“. Doch halt! Wer über sich selbst bestimmt, möge dies auch mit all seinen Folgen tun. Wer frei sein möchte, ist auch für immer dazu verurteilt, es zu sein, so sah es auch schon der französische Philosoph Jean-Paul Sartre. Denn wer frei handelt, hat auch die Auswirkungen zu tragen und zu recht- fertigen. Und hier kommen wir wieder auf die Moral zurück. Denn wo keine „gottgegebenen“ Richtlinien vorhanden sind, kann es schnell zur Anarchie kommen. Ab diesem Punkt sollte das menschliche Unrechtsbewußtsein greifen. Oder, um es anders zu formulieren: Die 10 Gebote könnte man theoretisch durch praxisnahe ethische Grundsätze ersetzen, allen voran Immanuel Kant’s kategorischem Imperativ, welcher im Grunde besagt, dass man nur so handeln sollte, wie man es sich auch von seinen Zeitgenossen wünscht. Klar könnte man nun argumentieren, dass es machen Menschen recht wäre, wenn sich beispielsweise die ganze Welt nach einem anarchistischen Vorbild verhalten würde, jedoch ist dies wohl die deutliche Minderheit. Und leider ist es zudem unbestritten, dass viele gläubige Menschen in ihrer tiefen Gotteshingabe ihre Moral und Ethik vergessen, beispielsweise die extremistischen Dschihad-Kämpfer des Islam, genauso wie die Kreuzritter des Mittelalters oder ihre zügellosen Pendants der Neuzeit in der Nachfolgeorganisation der Inquisition. Es ist damit festzustellen, dass Religion und Moral zu trennen sind, da es sowohl Gläubige mit Moral, Gläubige ohne Moral, Atheisten mit Moral und Atheisten ohne Moral gibt. Oder, um es mit der deutschen Hip-Hop-Formation Die Firma zu sagen: „Es gibt für mich weder Juden, Moslems noch Christen – es gibt nur gute Menschen und schlechte Menschen, das war’s, das ist es.“. Besser hätte ich es auch nicht formulieren können.
Die persönliche Freiheit selbst scheint für die Menschheit unantastbar zu sein. In ihrem Namen wurden Kriege und Schlachten geführt, für sie wurde gemordet, Revolutionen angezettelt und Systeme gestürzt. Doch ein Großteil genau jener, die ganz vorne mitmischten, stellen sich freiwillig unter die Kontrolle des „Herrn“, Doch mehr dazu im nächsten Kapitel.
Zurück zur Moral... wir leben im 21. Jahrhundert, in einer Zeit, in der die Menschheit mit ihrem bisher erworbenen Wissen in der Lage sein sollte, sich selbst ein vernunft- und zweckorientiertes Gesellschaftsleben aufzubauen – mittels gesundem Verstand, dem eigenen Unrechtsbewußtsein und mit Hilfe einer demokratisch bestimmten Führung. Wenn all dies gegeben ist, wozu dann noch eine übertrieben moralisierende „außerparlamentarische Opposition“ namens Kirche? Oder besser noch: Warum nicht ein ‚Best Of’? Warum nicht jenes zeitlos Vernünftiges, das sich aus den religiösen Schriften über Jahre hinweg als brauchbar in der Gesellschaft etabliert hat mit den modernen Erkenntnissen aus Wissenschaft, Politik und Philosophie kreuzen und daraus eine universelle Guideline schaffen?
Flecky - Fr, 28. Nov, 07:55
Vor einiger Zeit begann ich mir Gedanken über mein Verhältnis zu einem möglichen Gott zu machen... hier der erste Teil davon.
Heutzutage geistern viele Vorurteile gegenüber dem Atheismus im Raum herum. Doch Atheismus, das Wort in seiner ursprünglichen Herkunft bedeutet eben in erster Linie mal nichts anderes als „ohne Gott“. Daran wollen wir erstmal festhalten.
„Ohne Gott“ – also die Existenz eines Überwesens leugnend. Diese Position ist so alt, wie auch der Glaube selbst. Im christlichen Jargon einst als Heiden beschimpft, in Kreuzzügen zwangsmissioniert und heute gesellschaftsfähig? Tatsächlich gibt es wenige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich offen zum Atheismus bekennen, während die Religionen mit immer mehr Prominenten aufwarten können, so z.B. der fundamental-christliche Xavier Naidoo oder Madonna für den jüdischen Kabbalah-Glauben. Auch die Muslime haben mit dem konvertierten Cat Stevens, der sich nun Yusuf Islam nennt, ihren Vorzeige-Promi.
Doch zurück zum Thema – welche Gründe gibt es, die Existenz eines Gottes zu bestreiten? Die großen Enzyklopädien nennen an dieser Stelle Dutzende Lehren und Theorien mit langen Fremdwörtern, doch die wenigsten davon sind wirklich maßgebend. Die Erfahrung zeigt, dass die Hauptgründe des Zweifels auf zwei Säulen liegen – nämlich der wissenschaftlichen Widerlegung der Gott-Theorien und einem großen religionsphilosophischen Problem namens Theodizée. Zu beiden Gründen später mehr.
Aber Atheismus ist nicht die Ablehnung von Ethik und Moral, sowie eines gewissen Verhaltenscodex des Zusammenlebens. Nur, weil man Gott ablehnt, muss man nicht alles ablehnen, was im Lauf der Geschichte mit ihm in Verbindung gebracht wurde.
Nehme man beispielsweise die Zehn Gebote – sie sind im Grunde genommen die Vorläufer der heutigen Menschenrechte und sollten in irgendeiner Form im Grundgesetz jedes modernen Staates verankert sein. Und nicht nur dort – jeder Mensch sollte diese Grundregeln als Grundmoral der Gesellschaft anerkennen. Deshalb bejahe ich auch ihre ausdrückliche Erwähnung in der Bibel und im Koran, ganz unabhängig von sämtlichen Theorien und Spekulationen über ihre Herkunft.
Mein persönlicher Atheismus glaubt an die Tatsache, dass jeder Mensch für sein Schicksal und in gewissem Maße auch das Schicksal seiner Mitmenschen selbst verantwortlich ist. Dies bedeutet, dass wir als Menschen unser Leben selbst in die Hand nehmen sollen – mit all seinen Folgen, Rechten und Pflichten. Wir haben das Recht, unseren Planeten und unser Dasein darauf frei zu gestalten aber wir haben auch die Pflicht, verantwortungsbewußt zu handeln um unseren Zeitgenossen genauso wie unseren Erben das gleiche freie Leben zu ermöglichen, wie wir es uns selbst auch wünschen.
Flecky - Fr, 7. Nov, 16:11